

Obwohl mein Herrchen im Feld eine Überläuferrotte bestätigt hat und normalerweise eine spannende Morgenpirsch auf dem Programm steht, packt er statt dem Gewehr eingefrorene Sauschwarten ins Auto; wir nehmen also am 23./24.05. am 3. GP-Vorbereitungslehrgang im Revier Hegau-Baaralb teil. Immerhin freue ich mich 5 Art- oder besser gesagt Leidensgenossen kennenlernen zu dürfen. Nach der Begrüssung folgen eine ausführliche Erläuterung des Ablaufes einer Gebrauchsprüfung und das Legen der Schwarzwildkunstfährten, was für uns Vierbeiner mehr als langweilig ist. Es heisst ja immer bei den Zweibeinern „Hund müsste man sein“, also halte ich notgedrungen einen ausgiebigen Mittagsschlaf. Danach steht für uns als Einstieg eine kurze Kunstfährte auf dem Programm, an deren Ende eine Schubkarrensau wartet. Naja ok, das nehme ich nach der Ruhepause gerne mit, ein bisschen „Stellen & Bellen“. Abends geniessen unsere Herrchen Gegrilltes & Gekühltes und der eine oder andere Vierbeiner bekommt ob der guten Stimmung doch einen ordentlichen Happen, was unsere Motivation für die Arbeit der morgigen Fährten nicht unbedingt steigern wird, es heisst doch „ein voller Bauch sucht nicht gern“. Am nächsten Morgen zeigt sich mancher Jäger nervös, also wir Dachsbracken haben kein Jagdfieber, uns ist doch klar, dass am Ende der Fährte kein Keiler gestellt werden muss, sondern nur eine aufgetaute Schwarte liegt, auf der zu dieser Jahreszeit schon die Zecken und Fliegen sitzen. Na vielen Dank! „Schweissarbeit ist Fleissarbeit“, aber richtig motiviert scheint manches Herrchen auch nicht zu sein, denken nur an den ersten Rehstamper im Herbst und vergessen Ihre Hausaufgaben in puncto Motivation auf der Kunstfährte für uns zu erledigen. Am meisten geben wir Laut, wenn wir über die Leistung unserer Zweibeiner lästern; einer ist nicht in der Lage, seinen Schweissriemen ohne Verwicklungen zu führen, der nächste versucht krampfhaft Schweiss zu erkennen, hat aber Rot/Grün Sehschwäche und das Kommando „zur Fährte“ kommt gebetsmühlenartig vom Ende des Schweissriemens als leierkastenartige Rückmeldung vieler Hundeführer. Der Jagdgöttin Diana sei Dank- ist die Kunstfährte so leicht, dass ich mich nebenbei mit meinen Riechzellen frischen Verleitungen widmen kann. Ich nutze die Riemenlänge voll aus, leider bemerkt er es und nimmt mich an die Kandare. Die kulinarische Belohnung am Ende des wöchentlichen Pflichtspazierganges am langen Riemen nehmen wir alle gerne mit, da es immer ein besonders leckerer Happen ist. Zu allem Überdruss kommen zum Schluss noch die Gehorsamsfächer. Beim Ablegen träume ich vom nächsten Bockansitz und bei der Schussfestigkeit kann ich nur kräftig das Haupt schütteln, wie kann er so sinnlos die Patronen verschwenden. Dann geht es endlich nach Hause, als erstes kontrolliere ich den Garten und Brennholzstoss auf Spuren von Katze & Marder…

Von links: Constantin vom Ammerthaler Bruch, Uni de la Dent de Cons, Bero vom Wernloch, Dorle aus der Leiten, Birko vom Stoaberg
Text: Dorle aus der Leiten & Christoph Wimmer
Fotos: Christoph Wimmer, Simon Güntert